05.12.2025
Vorstellung erster Monitoring-Ergebnisse zur neuen Abflugroute Cindy S
Das Forum Flughafen und Region (FFR) veröffentlicht erste Ergebnisse zum Monitoring der neuen Abflugroute Cindy S. Die bisher vorliegenden Erkenntnisse entsprechen den Annahmen zu Ent- und Belastungen, auf Basis derer die Empfehlung für einen Probebetrieb erfolgte. Ausführlichere Monitoring-Ergebnisse sind für Juni 2026 geplant.
- Erste Monitoring-Ergebnisse bestätigen die aufgrund der Lärmberechnungen erwarteten Effekte
- Vorgegebene Routenführung wird gut eingehalten - Flughöhe steigt
- Effekte der Lärmentlastung und Lärmbelastung nach bisheriger Auswertung wie erwartet
- Lärmbelastung in Weiterstadt-Gräfenhausen gesunken
- Zusätzliche Lärmmessungen durch das UNH vorgesehen
- Monitoring wird fortgesetzt und wie vorgesehen um weitere Aspekte ergänzt
- Weitere Ergebnisse und Bewertungen werden in 2026 erarbeitet, mit den betroffenen Kommunen erörtert und veröffentlicht
Erste Monitoring-Ergebnisse bestätigen bislang die aufgrund der Lärmberechnungen erwarteten Effekte
Um der öffentlichen Diskussion Rechnung zu tragen, hat das FRR erste Auswertungen für das Monitoring zur Umsetzung der lateralen Optimierung CINDY S vorgezogen und die Ergebnisse am 5.12. im Rahmen einer Konvent-Sitzung veröffentlicht. Die Auswertung umfasst die Betrachtung von fast 20.000 Flugspuren aus den ersten drei Monaten des Betriebs (10.07. – 10.10.) und die vorläufige Analyse von Lärmdaten an vier Messpunkten.
Vorgegebene Routenführung wird gut eingehalten - Flughöhe steigt
Die Auswertung der Flugspuren zeigt:
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Flugzeuge im Schnitt höher, ne-gative Effekte des Kurvenflugs auf die Höhe sind somit nicht ersichtlich.
Trotz zusätzlicher Kurven wird die vorgesehene Route sehr gut eingehalten: Dies gilt auch für die unter Lärmaspekten besonders sensiblen Bereiche. So lag die Abweichung z.B. zwischen Erzhausen und Darmstadt-Wixhausen im Mittel bei nur ca. 100 Metern Richtung Süden und hiermit innerhalb der bei den Flug-lärmberechnungen unterstellten Korridoren. Auch die initiale Kurve sowie der weitere Flugverlauf liegen innerhalb der Annahmen bei der Fluglärmberechnung.
Bei den Direktfreigaben sind keine systematischen Auffälligkeiten zu beobachten, vielmehr ergaben Einzelprüfungen, dass wie vor Einführung nur in sehr seltenen Fällen Einzelfreigaben vor der hierfür vorgesehenen Mindesthöhe erteilt wurden. Bei diesen Einzelfällen lagen jeweils Ausnahmesituationen vor, insbesondere einzelne Tage mit örtlichen Wetterereignissen wie Starkregen oder Windböen, die abweichende Flugführungen erfordert haben. Die geogra-phische Lage der Direktfreigaben in den regulären Höhen hat sich, bedingt durch die Veränderung der Route, verschoben – dies hat je nach betrachteter Kommune negative aber auch positive Effekte. Direktfreigaben erfolgen in Frankfurt aus Lärmschutzgründen grundsätzlich später, die Flüge haben daher schon höhere Mindestflughöhen erreicht (in der Regel mind. 6.000 Fuß), als an anderen deutschen Standorten.
Für die Auswertung wurden zunächst die Flugspuren an drei virtuellen „Toren“ (Auswertungsfenster) nahe Mörfelden-Walldorf, Weiterstadt-Gräfenhausen und Erzhausen/ Darmstadt-Wixhausen überprüft, in denen alle Durchflüge erfasst werden.
„Öffentlich geäußerte Befürchtungen, dass die Flugzeuge auf der neuen Route aufgrund des Kurvenflugs die vorgegebenen Flugspuren nicht einhal-ten und niedriger fliegen, sind nicht eingetreten“, fasst FFR-Vorsitzender Prof. Dr. Wörner die Auswertungen zusammen.
Effekte der Lärmentlastung und Lärmbelastung wie erwartet
Zusätzlich zu den Spurauswertungen wurden erste vorläufige Auswertungen der Lärmmessstationen des Umwelt- und Nachbarschaftshauses in Erzhausen und Egelsbach, sowie die Lärmmessstation der Fraport in Weiterstadt-Gräfenhausen von jeweils einem Monat durchgeführt. Um keine Fehlschlüsse aufgrund des kurzen Zeitraums zu ziehen, wurde der Fokus daher auf die Ermittlung „mittlerer Maximalpegel“ (Mittelwert aller Maximalpegel von Fluglärmereignissen) gelegt. Die – wenn auch vorläufigen - Auswertungen bestätigen die Annahmen aus der Berechnung.
Diese erste vorläufige Auswertung der Lärmmessstation in Weiterstadt-Gräfenhausen bestätigt eine Lärmentlastung der Bewohnerinnen und Bewohner durch die Einführung der neuen Route: Die mittleren Maximalpegel sind je nach Flugzeugtyp um 1,5 dB bis 2,3 dB dB(A) gesunken. Die Verminderung der Lärmpegel ist auf die größere Entfernung der neuen Route zu dem Stadtteil zu erklären. Die neue Route liegt jetzt etwa 1.000 Meter entfernt, zuvor etwa 600 Meter. Berichtete Wahrnehmungen, wonach der Lärm aufgrund des Kurvenflugs insgesamt höher geworden sei, haben sich damit nicht bestätigt. Etwaige gegenteilige Wahrnehmungen in Gräfenhausen zu Beginn der Anwendung der neuen Route, könnten mit Sondereffekten zusammenhängen: die Umstellung erfolgte im zeitlichen Zusammenhang mit dem Beginn der Sommerferien und insbesondere gab es eine Vielzahl wetterbedingter Abweichungen vom Flugbetrieb rund um den gesamten Flughafen, die unabhängig waren von dem Wechsel des Verfahrens. Zudem war der Verkehr auf der Abflugroute im Vergleich zum Vorjahr um 17% gestiegen (ursächlich hierfür können der höhere Anteil an Betriebsrichtung 25 sowie der Anstieg an Flugdestinationen in Richtung Südwesten sein).
Die Fluglärmbelastungen in Erzhausen und Egelsbach sind durch das Heranrücken der Route erwartungsgemäß gestiegen: Sowohl in Egelsbach-Bayerseich als auch in Erzhau-sen wurden jeweils in den Monaten September bis November Messungen vor und nach Einführung der neuen Flugroute durchgeführt. Damit sollte ermittelt werden, welche zu-sätzlichen Lärmbelastungen die Nordverlagerung der Route für Erzhausen und Egels-bach mit sich bringt. In Erzhausen ist ein Anstieg der mittleren Maximalpegel im vorher-/ nachher-Vergleich zu beobachten; in Egelsbach zeigt sich der Anstieg v.a. dadurch, dass aufgrund nur sehr geringen, unterhalb der Messschwelle liegenden Pegel in Egelsbach die vorher-Messungen nicht genug Fluglärmereignisse erfassen konnten, um mit den nachher-Messungen überhaupt verglichen werden zu können. Diese Erhöhung der Pegelwerte ist auf das Näherrücken der Flugroute an die jeweiligen Gebiete zurückzuführen und entspricht dem, was auch auf Grundlage der Lärmberechnungen erwartet wurde.
Prof. Dr. Wörner führt dazu aus: „Insgesamt bestätigen sich damit zunächst so-wohl die Annahmen (Flugspuren) der Berechnung als auch die erwarteten Er-gebnisse (Lärmmessungen). Das Monitoring gibt bisher keinerlei Hinweis da-rauf, dass wesentliche Aspekte unberücksichtigt geblieben sein könnten. Selbstverständlich wird das Monitoring fortgesetzt und auch in den nächsten Monaten genau beobachtet, ob es Auffälligkeiten bei der Routenumsetzung gibt.“
Zusätzliche Lärmmessungen
Nach Einführung der neuen Abflugroute Cindy S wurde das Umwelt- und Nachbarschaftshaus sowohl von Bürgerinnen und Bürgern als auch von kommunalpolitischen Akteuren vielfach kontaktiert. Insbesondere Wünsche zu zusätzlichen Lärmmessungen vor Ort waren dabei ein wesentliches Thema der Kontaktanfragen. Das Forum Flughafen und Region sowie das Umwelt- und Nachbarschaftshaus nehmen diese Wünsche ernst und reagierten bereits im August 2025 mit der Anschaffung einer zusätzlichen Lärm-Messstation, um Kapazitäten für zusätzliche Lärmmessungen zu schaffen.
Diese zusätzliche Lärmmessstation wird derzeit für den Einsatz vorbereitet. Das UNH rechnet mit einem Einsatz ab voraussichtlich Februar 2026. Als erster Einsatzort ist die Gemeinde Messel vorgesehen. Weitere Messungen sind auch in Langen und Darmstadt-Kranichstein geplant. Aufgrund der besonderen Situation in Erzhausen werden dort umfangreichere Messungen angestrebt, die auch die verkehrsreichen Sommermonate umfassen.
Hintergrund des Verfahrens
Die Abflugstrecke CINDY S/CINDY F ist eine der meistgenutzten Abflugstrecken am Frankfurter Flughafen, die von der Startbahn West in südöstlicher Richtung verläuft und dabei bislang den dicht besiedelten Darmstädter Norden (Darmstadt-Arheilgen und Kranichstein) überfliegt. Um die Lärmbelastung in diesen Gebieten zu reduzieren, hat die von der damaligen Landesregierung 2012 initiierte sog. „Allianz für Lärmschutz“ das Forum Flughafen und Region (FFR) um Untersuchung verschiedener Flugroutenalternativen gebeten.
Im Jahr 2018 und 2019 hat das FFR gemeinsam mit der Fluglärmkommission ein umfangreiches Konsultationsverfahren unter Beteiligung von be- und entlasteten Bürgern und Kommunen durchgeführt. Auf dieser Basis empfahl des FFR einen Probebetrieb, der auch von der Fluglärmkommission nach ausführlicher Diskussion befürwortet wurde. Nach einem ersten Probebetrieb 2020 mussten Justierungen am Verfahren vorgenommen werden. Im Jahr 2024 wurden drei Varianten (A bis C) vorgestellt, die allesamt über weniger dicht besiedeltes Gebiet zwischen Darmstadt-Wixhausen und Erzhausen füh-ren. Dadurch wird insgesamt eine Lärmentlastung für die Region erzielt, da in der Summe erheblich weniger Personen belastet werden, auch wenn in einzelnen, weniger dicht besiedelten Bereichen neue Belastungen entstehen, etwa in Erzhausen.
Auf Grundlage von Lärmberechnungen und nach Abwägung der FFR-Kriterien unter besonderer Berücksichtigung der Hochbetroffenen empfahl das FFR im Juli 2024 die Variante B zur Umsetzung. Im Oktober 2024 sprach sich auch die Fluglärmkommission Frankfurt (FLK) für die Umsetzung von Routenvariante B aus und folgte damit der Empfehlung des FFR.