Monitoring der Luftschadstoffe

Der Flugverkehr am Flughafen Frankfurt verursacht nicht nur Fluglärm, auch Schadstoffe werden durch ein Flugzeug - genauso wie von anderen Verkehrsmitteln mit Verbrennungsmotor – in die Luft gebracht. Nach Inbetriebnahme der Landebahn Nord-West im Oktober 2011 sind in der Öffentlichkeit vermehrt Befürchtungen über erhöhte Schadstoffgehalte in der Luft artikuliert worden.

Das UNH greift diese Befürchtungen auf und wird die damit zusammenhängenden Fragen nach fachlich anerkannten Standards und Methoden durch das Hessische Landesamt für Geologie (HLUG) untersuchen lassen. Damit sollen die Aussagen und Befürchtungen über eine mögliche erhöhte Belastung mit fundierten Messungen und Auswertungen überprüft werden. Um Aussagen treffen zu können, ob die vorzufindenden Schadstoffkonzentrationen den zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegten Grenzwerten genügen, müssen langfristige Messungen durchgeführt werden. In enger Kooperation zwischen UNH, HLUG und Hessischen Umweltministerium startet im Mai 2012 das auf mindestens 2 Jahre angelegte Untersuchungsprogramm zum Monitoring von Schadstoffimmissionen im Einflussbereich der neuen Nordwest-Landebahn des Flughafens Frankfurt.  Die Messstation wird dabei voll umfänglich in das Messnetz des  HLUG integriert, damit unterliegen Messungen und Messgeräte denselben strengen Qualitätsansprüchen wie sie für das gesamte Netz gelten.

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Welche Stoffe werden bei der Verbrennung von Kerosin emittiert?

Je Kilogramm verbranntes (oxidiertes) Kerosin entstehen durchschnittlich:

(verbrauchsspezifischer Emissionsindex)

Kohlendioxid (CO2)
Entstehungsmenge: 3150 g/kg

Wasserdampf (H2O)
Entstehungsmenge: 1240 g/kg

Stickoxide (NOx)
Entstehungsmenge: 6 – 16 g/kg

Kohlenmonoxid (CO)
Entstehungsmenge: 0,7 – 2,5 g/kg

Kohlenwasserstoffe (HC)
Entstehungsmenge: 0,1 – 0,7 g/kg

Schwefeldioxid (SO2)
Entstehungsmenge: 0,418 g/kg

Partikel
Entstehungsmenge: 0,038 g/kg

 

Quelle: UBA-Forschungsbericht 296 41 838

Was wird gemessen?

Es wird die jeweilige Immissionskonzentration von folgenden Luftschadstoffen gemessen (detaillierte Informationen zu den einzelnen Stoffen finden Sie auf der Internetseite des HLUG):

  • Schwefeldioxid
  • Stickstoffmonoxid und -dioxid
  • Feinstaub (PM10)
  • Feinstaub (PM2,5)
  • Kohlenmonoxid

Zusätzliche werden Konzentrationen der Komponenten Gesamtkohlenwasserstoffe und Ruß gemessen.

Auch der Jahresmittelwert der Benzolkonzentration wird im Rahmen der Untersuchung durch ein Passivsammelverfahren (monatliche Probenahme) erhoben und beurteilt.

Es handelt sich dabei um Stoffe, die zum Teil standardmäßig gemessen werden und um Stoffe, die auch bei verkehrsbedingten Immissionen (z.B. durch Abgase von Kraftfahrzeugen (insbesondere Diesel) aber auch von Flugzeugen) zu erwarten sind.

Darüber hinaus werden meteorologische Parameter erfasst; z.B. werden Windrichtung und -geschwindigkeit in 10m Höhe an einem Windmast gemessen. 

Für eine Optimierung der Vergleichbarkeit, werden an der regulären Luftmessstation des HLUG in Raunheim es, die auch in relativer Flughafennähe liegt, zusätzliche Messungen der Gesamtkohlenwasserstoffe und auch Benzolmessungen (über Passivsammler) aufgenommen.

Thema Kerosin

Häufig wird gefragt, ob Flugzeuge Kerosin ablassen. Dazu ist festzustellen, dass es nicht die Regel ist, dass Flugzeuge Kerosin ablassen, dies ist schon alleine rein ökonomisch (hohe Kerosinpreise) für die Airlines nicht sinnvoll.  Viele Flugzeugtypen haben darüber hinaus überhaupt keine technischen Möglichkeiten mehr, Kerosin "abzulassen". Maschinen lassen nur dann Kerosin ab, wenn ihr Gewicht höher ist als es für eine sichere Landung erlaubt ist. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn kurz nach dem Start - noch vollbeladen -  wieder gelandet werden muss (z.B. bei einem technischen oder medizinischen Notfall). Dies kommt allerdings sehr selten vor, die Maschine wird dann zunächst hoch über ein nicht besiedeltes Gebiet geführt, wo es das Kerosin ablassen kann. Aufgrund der Verdünnung des Kerosins in der Luft (Verdunstung, Verwirbelung), gehen Experten davon aus, dass am Boden nur mit geringen Auswirkungen zu rechnen ist.

Siehe zu dem Thema auch den Artikel über den Flughafen Zürich unten.

Wie wird gemessen?

Das HLUG betreibt das landesweite hessische  Luftmessnetz und betreut die neue Messstelle - die in Kooperation und mit Unterstützung des UNH aufgebaut wurde - als zeitlich befristete Station im Rahmen dieses Messnetzes .

Das UNH legt, wie bei allen anderen Messungen und Rechnungen, großen Wert auf die Einhaltung der anerkannten Standards. Dies gilt auch für diese neue Messstation für Luftschadstoffeund wird durch die Fachleute des HLUG jederzeit gewährleistet.

Das HLUG informiert auf seiner Internetseite  unter anderem auch über die in der Routine verwendeten Messgeräte und Messtechniken.

Wo wird gemessen?

Die Messstation  wird jeweils für ein Jahr an einem Standort aufgestellt, sodass die Immissionen eines kompletten Jahres gemessen werden können. Dies ist wichtig, da sich die Anzahl der Flüge, sowie der Flottenmix und die Belegung der Start- und Landebahnen im Sommer- und Winterflugbahn unterscheiden. Außerdem haben  meteorologische Bedingungen wie z. B. Niederschläge, Windverhältnisse oder die Transportverhältnisse in der Atmosphäre einen Einfluss. Auch dieser Umstand wird durch die Beobachtung eines Standortes über 12 Monate in der Untersuchung berücksichtigt.

Im Mai 2012 wurde die Messstation im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen/Lerchesberg aufgestellt. Seit Ende Juni 2013 werden Messungen in Flörsheim durchgeführt. Mögliche weitere Standorte für die Station sind noch nicht entschieden.

Welche Grenzwerte gibt es?

Nach Überarbeitung der Europäischen Luftqualitätsgesetzgebung verabschiedete die Europäische Union im Jahr 2008 eine neue „Richtlinie über Luftqualität und saubere Luft in Europa“ (2008/50/EG). In Deutschland wurde diese Richtlinie über eine Novellierung des Bundes-Imissionsschutzgesetzes und Verabschiedung einer „Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen“(39. BImSchV) in nationales Recht umgesetzt.

Die Grenzwerte im Detail können Sie auf der Internetseite des HLUG einsehen.

Wo sind die Messergebnisse einsehbar?

Die Messstation wird als temporärer Bestandteil in das  Luftmessnetz des HLUG integriert und unterliegt damit denselben strengen Überwachungszyklen und qualitätssichernden Maßnahmen wie jede andere Station des Messnetzes. Dies gewährleistet abgesicherte Ergebnisse und auch eine optimale Vergleichbarkeit  der verschiedenen Messstationen untereinander (z.B. mit der  Messstation  in Raunheim oder mit den anderen Stationen im Stadtgebiet von Frankfurt). Die Auswertung  der Messungen und Bewertung der Ergebnisse übernimmt das HLUG.

 

Hier können Sie die Ergebnisse der Station direkt ansehen: Fortlaufende Ergebnisse der durchgeführten Messungen (diese werden stündlich aktualisiert veröffentlicht.

Aktuelle Luftwerte für ganz Deutschland finden Sie auf der Internetseite des Umweltbundesamtes.


Downloads

- Quellenzuordnung für Feinstaub in Hessen: Frankfurt / Main und Kleiner Feldberg, IUTA, Oktober 2009

- Emissionen organisch-chemischer Verbindungen aus zivilen Flugzeugtriebwerken, HLUG, Oktober 1998

- Flugzeuge über Zürich - was kommt von oben runter?, UmweltPraxis, Nr. 37, Mai 2004

- Gutachten Flughafen München, Prof. Dr. Dr. Huber, TU München

 

 

Dokumente aus der Mediation

- Gutachten Toxikologische Bewertung von organisch-chemischen Triebwerksemissionen (zivile Luftfahrt), Dr. Kruse, Juli 1999

- Qualitätskontrolle des Gutachtens "Toxokologische Bewertung von organisch-chemischen Triebwerksemissionen", 1999

- Toxikologische Beurteilung der Zusatmimmissionen durch eine neue Start- und Landebahn am Frakfurter Flughafen, Institut für Toxikologie Christian Albrechts-Universität Kiel, Dezember 1999

- Stellungnahmen der Qualitätssicherung zum Gutachten "Toxikologische Beurteilung der Zusatzimmissionen durch eine neue Start- und Landebahn am Frankfurter Flughafen, Januar 2000

- Ergebnisse zu Ö9 Humantoxikologische Bewertung der Emissionen, Januar 2000

- Emmissionsprognose Flugverkehr für das Jahr 2015 Flughafen Frankfurt, Januar 2000

- Immissionsberechnung für den Flughafen Frankfurt/Main und das Jahr 1998, September 1999

- Halbjahresbericht TÜV für die Durchführung von Immissionsmessungen bezüglich der Komponente Geruch in der Umgebung des Flughafens Frankfurt/Main, Mai 1999

 

 

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